Der Garten
Geschichte des Gartens

Das Wassergrundstück Max Liebermanns besteht aus zwei Parzellen, die gemeinsam eine Fläche von mehr als 7000 m² beinhalten. Liebermann konnte einen in Verlängerung der Colomierstraße zum Wannsee führenden Weg pachten und somit sein seeseitiges Grundstück um viereinhalb Meter verbreitern.

Bei der Gestaltung des Gartens durch Albert Brodersen (1857 – 1930) zog Max Liebermann den als Gartenreformer renommierten Leiter der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1873 – 1914), zu Rate. Im Rahmen einer umfangreichen Korrespondenz beratschlagten beide über die Anlage des Wannsee-Gartens. Zunächst beschloss man, das Haus auf gleicher Höhe wie die benachbarte Villa Hamspohn zu bauen und damit das schmale Grundstück in zwei wohl proportionierte Bereiche, den Vordergarten und den seeseitigen Garten, zu unterteilen.

Der vordere Garten wurde von einem Blumen- und Gemüsegarten eingenommen, den ein gerader Mittelweg in gesamter Länge durchzieht. Gesäumt wurde der Weg von breiten Sommerblumenrabatten. Auf Höhe des Gärtnerhauses nahm ein Staudengarten die gesamte Breite des Grundstücks ein. Dem Haus wurde ein großzügiger Vorplatz mit einer von vier runden Buchsbäumen flankierten Rasenfläche zugeordnet. Um die Überschneidung des Gärtnerhäuschens mit der Straßenfassade der Villa zu überspielen, wurde eine aus acht Bäumen bestehende Lindenhochhecke am Rand des Vorplatzes gepflanzt, die dennoch den Blick aus dem Haus in den Vordergarten zuließ. Die axiale Ausrichtung des Weges auf die Gebäudemitte erlaubte den idealen Blick aus der Diele in den Vordergarten und bei geöffneten Türen – umgekehrt von diesem – durch das Haus hindurch bis zum Wannsee.

Der seeseitige Teil des Gartens bestand aus einer von Wegen umgebenen großen Rasenfläche, welche den Blick über den Wannsee freigibt. Zu den Nachbargrundstücken wurde der Tiefenzug durch Abpflanzungen begrenzt. Dabei blieb das an der rechten Seite des Grundstücks vorhandene Birkenwäldchen nach dem Willen Liebermanns erhalten.

Die Blumenterrasse, mit ihren in den Rasen eingebetteten Schmuckbeeten, erhielt am Rand eine alljährlich wechselnde Sommerblumenbepflanzung, während Liebermann in die zentralen Beete jedes Jahr rote Geranien pflanzen ließ, die bis in den Herbst hinein einen starken Farbakzent setzten. An der südlichen Schmalseite der Terrasse wurde eine halbrunde Gartenbank aufgestellt, von der aus über die Blumenbeete hinweg der Blick auf den gegenüber aufgestellten, von August Gaul geschaffenen Fischotter-Brunnen fiel.

Den drei Heckengärten kam in der Gesamtkonzeption des Gartens eine zentrale Rolle zu. Sie bildeten den Kern der gartenkünstlerischen Überlegungen Alfred Lichtwarks. Die aus Hainbuchen gebildeten »grünen Kammern« sollten neugierig machen auf das, was sich hinter den Heckenwänden verbarg: Lindenkarree, Ovaler Garten und Rosengarten. Ein gerader Weg führte in der Mittelachse durch die drei, von exakt geschnittenen Hainbuchenhecken eingefassten, Kompartimente hindurch, wodurch höchst reizvolle Einblicke ermöglicht wurden.

Durch den Zwangsverkauf an die Deutsche Reichspost im Juni 1940 wurde der Liebermann-Garten fast vollständig zerstört. Die Zusammenlegung mit dem Garten der benachbarten Villa Hamspohn beraubte beide Gärten jedes Blumenschmucks. Vor beiden Häusern wurden später großflächige Parkplätze angelegt, wodurch die Vorgärten grundlegend verändert wurden.

Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der von Liebermann gepachtete Stichweg vom Grundstück abgetrennt und als Löschwasserweg genutzt.

Der am seeseitigen Ende befindliche Teepavillon der Liebermanns überdauerte bis in die fünfziger Jahre. Er wurde erst in der Zeit des Wannseekrankenhauses abgerissen, weil er so baufällig geworden war, dass er einzustürzen drohte. Nur das Fundament des kleinen Bauwerkes blieb im Erdreich erhalten. Der Standort des original rekonstru-ierten Pavillons weicht heute von dem ursprünglichen Standort von 1910 ab, da das eigentliche Fundament unmittelbar an den Zaun des Stichweges stößt, den der Bezirk noch einem Sportclub zur Nutzung überlassen hat.

Mit dem Einzug des Tauchclubs 1972 setzte zumindest eine einfache Pflege des damals vorgefundenen Zustands wieder ein. Im Uferbereich kam es allerdings zur Errichtung von Bootsstegen und anderen für die Sportnutzung erforderlichen Anlagen.

Trotz aller Eingriffe war zu Beginn der Wiederherstellungsmaßnahmen 2002 ein Bestand an originaler Substanz erhalten, wie z.B. die Stützmauern und Treppen, die Lindenreihe im Vorgarten oder Reste der Hainbuchenhecken des Heckengartens. Aufgrund dieser Funde sowie mit Hilfe alter Fotos und der Gemälde Max Liebermanns konnte der Garten ab 2004 durch die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin originalgetreu rekonsturiert werden.

Mit der Vollendung der Heckengärten 2014 und der Wiederherstellung der Obstwiese am Teepavillon konnte die denkmalgerechte Rekonstruktion des Liebermann-Gartens abgeschlossen werden.