Schenkung zum Jahrestag

9. November 2018

In Berlin brannten wie überall in Deutschland am 9. November 1938 die Synagogen, jüdische Wohnungen, Geschäfte und Friedhöfe wurden zerstört. Viele jüdische Berliner und Berlinerinnen waren gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt, wurden inhaftiert oder ermordet. Heute jährt sich die vom nationalsozialistischen Regime organisierte Pogromnacht zum 80sten Mal.

Das Sammlerehepaar Marion Bühler-Brockhaus und Hans-Peter Bühler nimmt diesen Jahrestag zum Anlass einer großzügigen Schenkung an die Liebermann-Villa: Die Schenkung ist dem Andenken an den wohl bekanntesten deutsch-jüdischen Malers Max Liebermann und seiner Familie gewidmet.

Die Schenkung umfasst die zwei Liebermann-Zeichnungen „Pferdeführer am Strand“, ca. 1908, die Vorstudie zur Lithographie „Den Müttern der Zwölftausend“ von 1923/1924 sowie das Gemälde "Der Künstler skizzierend im Kreise seiner Familie" von 1925.

Mit dem Gemälde „Der Künstler skizzierend im Kreis seiner Familie“ von 1925 kehrt eine Werk in die Liebermann-Villa zurück, dass hier in der Liebermann-Villa entstanden ist. Es zeigt den Künstler im Kreise seiner Familie vor dem Kamin im Erdgeschoss des Hauses.

 „Die Schenkung ist eine hervorrage Ergänzung unserer Kunstsammlung“, freut sich Direktor Martin Faass. „Vor allem das Familienbild, das mit seinem lockeren Pinselduktus die ganze Meisterschaft des Malers erkennen lässt.“

Die Familie Liebermann wurde nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 systematisch schikaniert und ausgeraubt.
Die Liebermann-Tochter Käthe konnte sich im November 1938, unmittelbar nach der Progromnacht, mit ihrer Familie in die USA retten. Die Künstler-Witwe Martha Liebermann blieb in Berlin. Sie nahm 1943 mit 86 Jahren eine Überdosis Veronal, um nicht in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert zu werden.

Die Schenkung auch als symbolischer Akt zu verstehen: Marion und Peter Bühler-Brockhaus unterstützten damit die Liebermann-Villa am Wannsee – einen Ort, den es als Museum und Gedenkort erst seit 2006 wieder gibt. Nach dem Zwangsverkauf 1940 an die Reichspost war die Villa lange Jahre Krankenhaus und Vereinsheim eines Sportclubs. Die 1995 gegründete Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin kämpfte fast 10 Jahre darum, um aus dem Anwesen ein Museum und einen Gedenkort zu machen. Erst seit 2006 ist die Liebermann-Villa für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin ist Träger des Museums und erhält hierfür keine öffentlichen Mittel.

 

Foto: Max Liebermann, Der Künstler skizzierend im Kreise seiner Familie, 1925.